„Balkantyp“: Nichtssagend und diskriminierend?

In einem Vorstoss verlangen die Berner Stadtratsmitglieder Hasim Sancar (GB), Anne Wegmüller (Junge Alternative) und Daniele Jenni (GPB), dass der Begriff „Balkantyp“ künftig offiziell nicht mehr verwendet werden darf, da dieser nichtssagend und diskriminierend sei. Hintergrund ist eine Täterbeschreibung der Stadtpolizei Bern, die einen „unbekannten Mann, 16-18 Jahre alt, ca. 180 cm gross, schlanke Statur, weisse Jacke, schwarzes gelocktes Haar (mit viel Gel), Balkantyp“ suchten.

Seien wir doch bitte ganz ehrlich und lassen uns nicht von falscher Rassismus-Angst treiben: Wenn die Polizei die Bevölkerung um Mithilfe bei der Tätersuche bittet, ist eine möglichst genaue und jedermann/frau verständliche Beschreibung zwingend. Mit „Balkantyp“ kann nun halt wirklich jeder mehr anfangen als mit politisch korrekten Floskeln. Dabei ist ja der Begriff nicht diskriminierend verwendet worden, denn es behauptete ja niemand, dass schon wieder so ein Balkantyp eine Straftat begangen habe oder so. „Balkantyp“ umschreibt lediglich gewisse äussere Erkennungsmerkmale. Die lieben Berner Stadtratsmitglieder sind nämlich die einzigen, die hier gleich rassistisch denken! Für alle anderen ist es eine Beschreibung wie Blondine, Rocker, Deutscher, Velofahrer usw.

6 Antworten to “„Balkantyp“: Nichtssagend und diskriminierend?”

  1. gebsn Says:

    „Lustig“ ist doch, dass man Leute, die kulturell und auch äusserlich völlig unterschiedlich daher kommen und sich noch vor kurzem die Köpfe eingeschlagen haben, plötzlich wieder als einen „Typ“, nämlich den „Balkantyp“, definiert. Falls das Tagi-Magi vorhanden ist, unbedingt den Artikel „Der Jugo ist halt so“ von Daniel Binswanger lesen.

  2. perfektionist Says:

    Ich kenne selbstverständlich den Artikel aus dem Tagi-Magi und fand den auch sehr gut, aber genau hier liegt doch der Unterschied: Der Begriff „Balkantyp“, wie ihn die Polizei verwendet, hat nichts zu tun mit Charaktereigenschaften. Aber genau das wird heute in der allgemeinen Gutmenschen-Hysterie vergessen! Wenn die Polizei einen Schwarzafrikaner, eine Blondine, einen Kleinwüchsigen oder was auch immer sucht, benutzt sie auch einen Ausdruck, der der Bevölkerung bei der Suche weiterhilft.

  3. gebsn Says:

    Ein wichtiger Unterschied. Aber die äusserlichen Unterschiede zwischen sagen wir mal Serben und Türken sowie zwischen Griechen und Albaner sprechen auch nicht gerade für die Verwendung des Begriffs „Balkantyp“ bei Polizeibeschreibungen.

  4. perfektionist Says:

    Da gebe ich dir schon recht! Aber die Frage ist halt effektiv, was die „breite Masse“ (auf die ich mich sonst eigentlich ungern referenziere) darunter versteht. Anders herum gefragt: Was wäre denn aus deiner Sicht eine politisch korrekte Bezeichnung?

  5. gebsn Says:

    Mir geht’s ja gar nicht so sehr um die politisch korrekte Bezeichnung, sondern mehr um die Arbeit der Polizei. Was soll man denn mit der Bezeichnung „Balkantyp“ anfangen? Wobei „südländisch“, wie’s oft heisst, hilft ja auch nicht weiter.

  6. Sancho Panda Says:

    find das schon schockierend. wie bitte darf man balkantyp verstehen?
    bin ja selber ausm balkan und könnt jez niemanden ad-hoc nennen der mich aufgrund meines aussehens oder auftretens jemals als solche identifiziert hätte..
    schweden-typ? gibts das auch? wenn da steht, polizei sucht einen deutschen (in österreich) wärs logisch. aber was versteht man jez drunter? – müsst ihr mir wirklich, weil ihr ja offensichtlich keine balkantypen seid, nachhelfen..

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