Schweizer Firmen im Visier von ausländischen Investoren.

oder: Die Geister, die wir riefen…

Die aktuellen Diskussionen rund den Einstieg der Österreichischen beim Schweizer Technologieunternehmen Ascom veranlassen mich, ein paar Zeilen zum Thema „Der Schweizer Aktionär“ zu verfassen:

Derzeit sind wieder alle am Wehklagen, dass die armen Schweizer Firmen ins Visier von ausländischen Investoren geraten. Landauf landab wird diskutiert, wie feindliche Übernahmen durch diese bösen Raider verhindert werden können. Dabei sind die Probleme völlig hausgemacht. Wer verkauft denn schlussendlich eine Firma einem Investoren? Der Eigentümer, also derjenige, dem die Firma gehört, sprich der Aktionär. Wie kann es nun dazu kommen, dass Firmenübernahmen scheinbar so mühelos gelingen? Das Problem liegt einzig und allein bei der Mentalität der Schweizer Aktionäre: Kaum jemand in meinem Bekanntenkreis spekuliert nicht mindestens ein wenig mit Aktien. Das einzige Ziel ist selbstverständlich die Maximierung des eigenen Profits. Diesem Gambling zugrunde liegt aber schlussendlich ein reeller Anteil an einem reellen Unternehmen. Leider sind sich alle diese Spekulanten ihrer Veranwortung als Mitinhaber einer Unternehmung nicht bewusst. Man hat ja auch nur einen minimalen Anteil, kann/will nicht Einfluss nehmen, geht deshalb nicht an die GV etc.

Daraus resultiert, dass die Firmen primär von institutionellen Investoren kontrolliert werden, also z.B. Pensionskassen und Fonds. Doch auch deren Interesse ist lediglich finanzieller Natur, da es auch hier nur um die Vermehrung der angelegten Gelder geht. Selbstverständlich wird er unter Umständen versuchen, die Strategie zu beeinflussen, um den Aktienkurs noch weiter steigen zu lassen. Und was macht ein guter Investor, wenn ihm ein Angebot vorliegt, das die zu erwartenden Gewinne plus Dividenden übersteigt? Bingo, er verkauft natürlich.

Fazit: Die grossen Schweizer Firmen (ausländische natürlich ebenso) sind heute nicht mehr in der Hand von Unternehmern, sondern von institutionellen und privaten Spekulanten, für die das Unternehmen nur das Vehikel für ihre Geldvermehrung ist. Versteht mich recht, ich verurteile das überhaupt nicht, schlussendlich ist das nur ein Ausnützen eines Systems und im Prinzip ist jeder selber schuld, der nicht selber persönliche Vorteile daraus zieht. Aber es soll bitte niemand klagen, wenn im grossen Stil Firmenanteile die Hand wechseln und neue Strategien implementiert werden, welche ausschliesslich der Optimierung des Aktienkurses dienen.

(Damit dieser Post nicht in ein Pamphlet ausartet, verzichte ich hier auf allfällige Ansätze zur Verbesserung des Systems.)

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