Link-Cold War rund um Facebook.

Im englischsprachigen Raum tobt seit ein paar Tagen ein Blogger-Krieg, der von einem der Beteiligten sogar schon als „Link-Cold War“ bezeichnet wurde. Im deutschsprachigen Raum habe ich bis jetzt noch nichts darüber gelesen, dabei finde ich es sowohl höchst amüsant wie auch bezeichnend:

Begonnen hat alles mit einem Statement von Jason Calacanis, seines Zeichens ehemaliger General Manager von Netscape, Gründer von Weblogs Inc. und jetzt bei Sequioa Capital, dass er ab sofort seinen Facebook-Account nicht mehr betreue, da ihn dies rund eine 1/2 Stunde pro Tag kosten würde und er sich die Zeit dafür nicht mehr nehmen wolle, da Facebook völlig überbewertet sei.
Gleichzeitig hat er auch in seinem Blog die Kommentarfunktion deaktiviert, da offenbar immer die gleichen Besucher irgendwelche negativen bis diffamierenden Kommentare hinterliessen und Jason seinen Blog denjenigen nicht mehr als Plattform zur Verfügung stellen wollte.

Diese beide Ankündigungen waren ein gefundenes Fressen für Robert Scoble aka Scobleizer, ehemaliger Top-Manager von Microsoft und wahrscheinlich erfolgreichster Blogger der Welt: Voll auf der Web2.0-Hype-Welle, prahlt dieser mit seinen 4’000 Facebook-Kontakten beschuldigt er Calacanis, dass dieser mit der modernen Welt nicht mehr zurecht komme und die Zeichen der Zeit nicht erkenne. Gleichzeitig fordert er alle auf zu kapitulieren, die ähnlich wie Calacanis denken, da so mehr Raum und Gelegenheiten für Leute wie ihn entstehen.

Der digitale Konflikt zweier so erfolgreicher Personen ist auf den ersten Blick einfach nur amüsant und könnte mit einem Lächeln abgetan werden. Gleichzeitig denke ich aber, dass es wahrscheinlich wirklich zu einer Polarisierung der digitalen Gesellschaft kommen wird: Die einen hecheln jedem Trend hinterher, haben in jedem Social Network ein Profil, denken nur noch in Anzahl Kontakten und Kommentare und ihre Freizeit besteht nur noch aus Blogs, Youtube, Facebook, MySpace, Twitter etc. Und dann ist da die andere Gruppe, die ab und zu auf Youtube vorbeischaut, ein paar Blogs liest, vielleicht ein Xing-Profil besitzt, sich grundsätzlich für neue Anwendungen im Internet interessiert – aber: die meisten davon kurz ausprobiert und dann für alle die freakigen Web2.0-Junkies nur noch ein müdes Lächeln übrig hat. Und dafür Freunde zum Essen einlädt, ins Kino geht, ein Buch liest.

Man muss zudem immer extrem aufpassen, wenn irgendwelche Web2.0-Angebote mit hohen Mitgliederzahlen hausieren: Verglichen zur Gesamtbevölkerung sind das jeweils nur ein paar mickrige Prozente, wenn überhaupt. Und die 700’000 User von Angebot A sind zu 95% identisch mit 700’000 Usern von Angebot B… So war ich letzten Freitag mit einer Bekannten essen: 29 Jahre alt, in der Nähe einer Stadt aufgewachsen, abgeschlossenes Jus-Studium, nun Anwaltspraktikum, hat vorletzte Woche zum ersten Mal etwas von Youtube gehört! Ist doch schön, dass das richtige Leben noch immer ausserhalb des Webs stattfindet, oder?

5 Antworten to “Link-Cold War rund um Facebook.”

  1. Marc Says:

    Ich gebe Dir recht: Die Zeit ausserhalb von Social Communities, 2nd Life, Blogging und Facebook ist durchaus um ein Vielfaches lebenswerter.

    Doch YouTube, Skype, Flickr und Blogs sind auf den 2ten Blick nicht’s anderes als nützliche Tools, spassige Beschäftigungen und attraktive Informationsquellen für Freizeit und Business – ähnlich dem Konsum von Fernsehen und Zeitungen, dem hobbymässigen Sammeln von Briefmarken oder dem Entwickeln von Schwarz/Weiss-Fotos im eigenen Labor.

    Ja, auch facebook.com/studivz.net leben von der Verknüpfung mit dem realen Leben, wie echten Freundschaften, unvergesslichen Erinnerungen und unerwarteten Begegnungen – grenzüberschreitend und zeitunabhängig.

    In diesem Sinn: ab an die warme Sommer-Sonne!

  2. perfektionist Says:

    Scheint so, als ob du einschlägige Erfahrungen in facebook.com/studivz.net gemacht hast: Lässt du die Leserschaft daran teilhaben?

  3. perfektionist Says:

    Passt auch noch ideal dazu:

    http://www.basicthinking.de/blog/2007/08/02/social-networking-schwerstarbeit/

  4. Marc Says:

    Es geht nicht um „einschlägige“ Erfahrungen, sondern darum, dass dank facebook.com/studivz.net aber auch klassenfreunde.ch Kontakte, welche nach Uni-Ende oder nach Ende von Reisen/Studienaufenthalten verloren gingen, wieder gefunden und – gerade bei grösserer Distanz – unkompliziert gepflegt werden können, ähnlich wie auch Du dies bei Xing tust🙂. Aber eben: Alles mit Mass, denn eine Community ersetzt (zum Glück) nicht das richtige Leben🙂

  5. famosas , desnudas , free Says:

    hh… really like it )

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