Blocher’s Führungsprinzipien

Das Buch von Journalist Matthias Ackeret mit dem Titel „Das Blocher-Prinzip“ ist nun schon etliche Wochen auf dem Markt, mittlerweilen ist eine 3. Auflage und es erhitzt immer noch die Gemüter. Landauf, landab stört man sich vor allem an zwei Aussagen: Erstens bezeichnet Bundesrat Blocher seine Mitarbeiter als Untergebene und zweitens seien Mitarbeiter, die Fragen stellen, schlechte Mitarbeiter. Nachdem sich von Nicolas G. Hayek bis hinab zum Pfadi-Gruppenleiter jeder über diese altmodischen Ansichten beklagt hat, kommt heute nun auch die SonntagsZeitung noch hinten nach. Hier kommt zum x-ten Mal auch Prof. Dr. Dr. hc. mult. Norbert Thom zu Wort, der so eingebildet ist, dass er nur Statements abgibt, wenn zugleich auch sein Foto in der Zeitung erscheint, und an seinem Institut auch einen ganz anderen Führungsstil anwendet, als er gerne in Vorträgen und Interviews predigt.

Ich möchte an dieser Stelle mal eine andere Sicht der Dinge darlegen, da mich das Blocher-Bashing ziemlich nervt. Ich gehörte zu den ersten Lesern des Buchs und fand es sehr inspirierend, da es sich zu grossen Teilen mit meinen Ansichten deckt. Selber würde ich meine Mitarbeiter nie Untergebene nennen, denn das klingt wirklich nach schicksalshaftem Ausgeliefertsein und Hörigkeit. Aber der Aspekt mit den Fragen will ich gerne kommentieren: Christoph Blocher provoziert oft und gerne, das ist bekannt und zielt immer ein wenig über das Ziel, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Er wird es deshalb kaum wörtlich meinen, dass Fragen „immer“ schlecht sind. Leider wird seine Aussage nun dahingehend interpretiert, dass der Chef eine möglichst grosse Distanz zu seinen Mitarbeitern haben soll und nur eine Einweg-Kommunikation von Chef zu Mitarbeiter stattfinden soll.

Wer das Buch wirklich gelesen hat, weiss, dass Blocher etwas anderes damit meint: Leider ist es tatsächlich so (und das beweist auch die eigene Erfahrung), dass sehr viele Mitarbeiter bei Problemen als erstes mal zum Chef rennen, ohne selber aktiv nach einer Lösung gesucht zu haben. Das läuft jeweils auf eine simple Problem-Präsentation hinaus mit der Anschlussfrage: „Chef, was soll ich nun tun?“. Der Vorgesetzte wird durch dieses ineffiziente System blockiert und der Mitarbeiter wird bevormundet, weil immer der Chef entscheidet, was gemacht werden soll. Zudem kann der Chef auch nicht in jedem Gebiet ein Experte sein und muss sich auch zuerst die benötigten Informationen einholen, bevor er fundiert entscheiden kann. Blocher’s Antragsystem sieht jetzt ganz simpel vor, dass der Mitarbeiter bereits mit einem oder mehreren Lösungsvorschlägen für das Problem kommt und einen entsprechenden Antrag stellt. Damit wird der Mitarbeiter gezwungen, auf der übergeordneten Stufe zu denken, was ihn aber im Endeffekt motiviert und wodurch er auch ernst genommen wird.

Ich selber hatte mal einen Vorgesetzten, der die PUMA-Methode angewendet hat: Bei Problemen werden die Ursachen aufgezeigt, mögliche Massnahmen präsentiert und am Schluss dem Vorgesetzten ein Antrag gestellt, wie er aus Sicht des Mitarbeitenden entscheiden sollte. Dieses System hat sehr gut funktioniert und ich fühlte mich zu keinem Zeitpunkt bevormundet, im Gegenteil: Zumeist hat der Vorgesetzte so entschieden, wie ich es beantragt hatte, worauf ich jeweils stolz und motiviert war. Vielleicht klingt das nach einem sehr starren und formalistischen Prozess, muss es aber überhaupt nicht sein. Die PUMA-Methode kann auch am Stehtisch in der Kaffeepause angewendet werden: „Du Chef, die Besucherzahlen unserer Website sind rückläufig. Meines Erachtens liegt es daran, dass die Usability schlecht ist und wir zuwenig Werbung für die Website machen. Als Massnahme schlage ich einen Relaunch vor und anschliessend eine Werbekampagne. Ich beantrage, dass wir dafür CHF X ins Budget einstellen.“ Und nicht wie so oft: „Chef, die Besucherzahlen sind rückgängig, was sollen wir bloss machen?“.

Wenn mir jemand aufzeigen kann, was an diesem Antragssystem so falsch sein soll, dann möge er/sie sich bitte in den Kommentaren äussern.

3 Antworten to “Blocher’s Führungsprinzipien”

  1. berny Says:

    Wie sagt man so schön: „c’est le ton qui fait la musique“.

  2. Gollum Says:

    Liegt das Problem nicht daran, dass Blocher von seinen Untergebenen bereits einen Antrag will, wenn diese Fragen an ihn haben? Du schilderst in deinem obigen Blogeintrag die löbliche Tatsache, dass sich die Mitarbeitenden Gedanken über ein Problem machen und ihren Chef mit einem konkreten Vorschlag konfrontieren, nicht mit dem Problem selber. So wie ich den Text von Blocher aber verstanden habe, sind solche Sachen bei ihm gar nicht erlaubt/erwünscht?

  3. Lips Says:

    PUMA – Problem, Ursache, Massnahme, Antrag – genau richtig. Ich kann nur bestätigen, dass auch meine Mitarbeiter auf diese Weise selbständiger sind und mir sinnlose Arbeit erspart bleibt.

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